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09.06.2009
Schlappe für CDU
SPD wieder stärkste Kraft im Stadtrat / Liberale legen kräftig zu
(WZ, 09.06.2009, Johannes Götzen). Die CDU verliert deutlich und hat nur noch 17 Sitze im Rat bei 33,18 Prozent der Stimmen, die SPD ist mit 20 Sitzen (38,34%) wieder die stärkste Kraft im Rat und die FDP verdreifacht die Zahl ihrer Sitze auf sechs (10,51%), lautet das vorläufige Ergebnis der Stadtratswahl. Die Freie Wählergemeinschaft gehört nach der Fusion mit dem Bürgerforum zu den Verlierern und hat noch drei statt der bisher zusammen fünf Sitze (6,28%). Die Grünen stagnieren bei vier Sitzen (8,13%), die Linken erringen beim ersten Versuch zwei Sitze (3,56%).
„Wir sind wirklich sehr zufrieden“, reagierte SPD-Chef Jens Guth, „vor allem in einer so schwierigen Zeit und trotz der Linken so ein Ergebnis zu haben“. Drei Sitze Abstand zu der CDU, „das ist schon ein Wort“, zeigte sich Guth auch durchaus stolz: „Es ist toll, mit Abstand wieder die stärkste Kraft zu sein.“ Jetzt werde mit allen Fraktionen gesprochen, eine Vorliebe gebe es dabei nicht, so der Fraktionschef Guth. Nur ein Bündnis mit den Liberalen schließt er aus. „Wir werden es an konkreten Inhalten festmachen“, so Guth.
Deutlich enttäuscht zeigte sich der Spitzenkandidat der CDU, der bisherige ehrenamtliche Beigeordnete Dr. Klaus Karlin. „Das entspricht dem Landestrend“, kommentierte er das Ergebnis, „das macht es aber nicht besser“, fügte er gleich hinzu. Womöglich habe die CDU einen Teil der Stimmen an die FDP abgegeben, sicherlich hätten auch die Themen gefehlt, mit denen die CDU für sich Wähler gewinnen konnte. CDU-Kreisvorsitzender Hans-Joachim Kosubek sieht quasi die Konstellationen von vor fünf Jahren wieder hergestellt. „Wir müssen jetzt erst einmal unsere Wunden lecken“, dann werde mit allen Fraktionen außer den Linken geredet.
Dr. Jürgen Neureuther fühlte sich klar in der Linie bestätigt. Der Spitzenkandidat der FDP sieht vor allem in der Wirtschaftspolitik den Grund für die neue Stärke der Liberalen im Rat. „Uns haben die ganzen Unternehmer gewählt“, sagt Neureuther auch mit Blick auf die Auseinandersetzung mit Unternehmer Strupp und den Naturfreunden.
Ratlos wirkte gestern Karl Müller von der Freien Wählergemeinschaft. Nach der Fusion mit dem Bürgerforum hätten sie eigentlich mehr als die drei Sitze erwartet – mehr als ein „Das müssen wir jetzt gründlich analysieren“, war allerdings gestern nicht von ihm zu hören. Mathias Englert, Gründungsmitglied des Bürgerforums, blickt zurück ins Jahr 2004. Damals sei man sozusagen „situationsgetrieben“ gewesen, erinnert er an den Streit ums Hotel vor der Jugendherberge. „Wir hatten diesmal kein Thema“, hat er als eine Ursache ausgemacht. Und: „Wir waren vielleicht zu brav“, resümiert er die Wahlperiode.
Bei den Grünen war gestern weder Aufregung noch Trauer: „Ich hatte ja beim WZ-Forum schon gesagt, wenn wir unsere Sitze halten, bin ich froh“, so deren Spitzenkandidat Kurt Lauer. Allerdings habe man bei den Prozenten durchaus etwas zugelegt. Das führt er auf die klare Oppositionspolitik der Grünen zurück.
Die CDU verlor nicht nur insgesamt 8,5 Prozent der Wählerstimmen, sondern besonders in den Hochburgen. In Abenheim waren es gleich acht Prozent, in Heppenheim, wo sie ebenfalls den Ortsvorsteher stellen, sogar zehn Prozent. In keinem Stadtteil konnte die CDU bei der Stadtratswahl zulegen. Klar ablesbar an den einzelnen Ergebnissen: Wo die CDU verlor, legte die FDP zu, nämlich in allen Bezirken.
Die SPD legte in ihren Stammbezirken am deutlichsten zu. In Worms Nord kletterte sie von 40 auf 47 Prozent, in Neuhausen von 39 auf 47 Prozent. Nur in Pfiffligheim und Wiesoppenheim mussten die Sozialdemokraten Federn lassen. Bei den Grünen lässt sich so recht kein Trend herauslesen. In Worms-West, Pfiffligheim und Leiselheim, wo sie von 8,6 auf 13,8 Prozent zulegten, sind sie nun zweistellig bei den Prozenten. Das Ergebnis von FWG/Bürgerforum ist nur schwer interpretierbar: Die beiden Gruppen hatten erst vor dieser Kommunalwahl fusioniert. 20 Prozent wollten sie erreichen, hatten sie angekündigt. 6,28 wurden es.
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