Positionspapier
des FDP-Kreisverbandes Worms
- Lage und Perspektive der Bundespartei -
Das
neue Parteiprogramm der FDP, die Wiesbadener Grundsätze, ist
das modernste, zukunftsweisendste und progressivste Grundsatzprogramm
aller im Bundestag vertretenen Parteien. Es ist das einzige
Programm, das dem Bürger ein größtmögliches Maß an persönlicher
Freiheit, Eigenverantwortung und Chancengleichheit zubilligt.
Als
die FDP noch in der Regierungsverantwortung stand, wurde das
Programm infolge der erforderlichen Kompromisse im Rahmen der
christlich-liberalen Koalition aufgeweicht. Momentan wird es durch
die Profilierungssucht einzelner Vertreter des linksliberalen
Parteiflügels, deren Höhepunkt ihrer parteipolitischen Karriere
schon Jahre bis Jahrzehnte zurückliegt, die aber in den Medien
immer noch gerne Gehör finden, zerredet.
Die
FDP muß wieder auf den wirklich wichtigen Themenfeldern
wahrgenommen werden, statt sich mit solchen Dingen wie der Ehe für
Homosexuelle als Liberale profilieren zu wollen.
Folgende
Themenkomplexe sind stärker in den Vordergrund zu stellen:
Marktwirtschaft
und Eigenverantwortung
Die
Freiheit des Marktes und das Handeln des Einzelnen in persönlicher
Eigenverantwortung bedeuten Leistungsgerechtigkeit. Die FDP muß
allen freiheitlich gesonnenen, leistungswilligen und
eigenverantwortlich Handelnden eine klare Alternative zu den,
sozialistischen und gleichmacherischen Idealen nachhängenden,
drei im Bundestag vertretenen Linksparteien (SPD; Grüne; PDS)
sowie einer sich immer mehr sozialdemokratisch gerierenden CDU
bieten. Dazu gehört ein eindeutiges Bekenntnis zu den Grundsätzen
der Marktwirtschaft. Leistungsträger aus allen Schichten dürfen
nicht länger durch steigende Steuern und Abgaben belastet werden.
Leistung muß sich lohnen! Was sozial verteilt werden soll, muß
zunächst einmal marktwirtschaftlich erarbeitet werden. Der
FDP-Kreisverband Worms spricht sich in diesem Zusammenhang für
einen einheitlichen Pauschalsteuersatz für alle, ab einem
steuerfreien Existenzminimum, aus (sogenannte flat-tax-rate).
Der
Sozialstaat hat die Schwachen vor den Faulen zu schützen! Er darf
keinesfalls diejenigen unterstützen, die nicht arbeiten wollen.
Nicht nur die Wirtschafts- und Steuerkriminalität gilt es zu bekämpfen,
sondern auch die Sozialkriminalität.
Zur
Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, dem hauptrangigen Problem
unserer Industrienation, ist es nicht ausreichend allein auf ein
zunehmendes Wirtschaftswachstum zu setzen. Das deutsche Problem
liegt darin, daß sich die Sockelarbeitslosigkeit von
Konjunkturzyklus zu Konjunkturzyklus verfestigt, daß die Rate der
Arbeitslosigkeit seit Anfang der 70er Jahre stufenweise steigt.
Die gering Qualifizierten, die Arbeiter mit niedrigen Einkommen,
wurden aus dem Markt gedrängt, weil ihre Löhne in Boomzeiten überproportional
anstiegen. Zum Abbau dieser strukturellen Arbeitslosigkeit ist es
unabdingbar, daß die FDP als Wirtschaftspartei entschlossen -
auch in der Öffentlichkeit - folgende Strukturreformen zur
Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland einfordert:
-
größere
Lohnflexibilität;
-
schärfere
Bedingungen für den Bezug von Sozialleistungen;
-
niedrigere
Lohnzusatzkosten durch einen Teilrückzug der sozialen
Sicherungssysteme zu Gunsten privater Vorsorge.
Äußere
und innere Sicherheit
Internationale
humanitäre Interventionen sollten auf gravierende Völkerrechtsverstöße
beschränkt und nur dann angeordnet werden, wenn europäische
Belange auf dem Spiel stehen.
Vordringlich
ist der illegalen Immigration entgegenzuwirken. Besonderen Schutz
bedürfen die EU-Außengrenzen. Eine Verringerung des
Personalbestandes und der sachlichen Mittel des
Bundesgrenzschutzes sowie der Bundeswehr sind sicherheitspolitisch
nicht vertretbar.
Es
gilt mit allen Mitteln zu verhindern, daß ausländische
kriminelle Organisationen oder Einzeltäter weiterhin in
Deutschland Fuß fassen. Solche Maßnahmen dienen zugleich dazu,
die illegale Einfuhr von Rauschgift und Waffen zu verhindern.
Die
Mitgliedsstaaten des Schengener Abkommens sind anzuhalten,
ihrerseits besser für die Sicherheit ihrer Außengrenzen zu
sorgen. Unterstützend zu diesen Maßnahmen müssen diejenigen der
sogenannten verdachtsunabhängigen Personenkontrolle konsequent
durchgeführt und einer Aufweichung durch einzelne Verfassungsgerichte
entgegengetreten werden.
Die
innere Sicherheit und insbesondere das Sicherheitsgefühl der Bürger
sind nachhaltig beeinträchtigt. Dies wird darin deutlich, daß
sich vielerorts Frauen und ältere Leute nach Einbruch der
Dunkelheit nicht mehr auf die Straße trauen, Häuser und
Wohnungen mehr und mehr gegen Einbruch gesichert werden müssen,
Geschäfte, Banken, Tankstellen vermehrt Raubüberfällen
ausgesetzt sind und Unternehmen im steigenden Maße
Sicherungsdienste in Anspruch nehmen.
Verwahrlosungstendenzen
in den Städten (aggressives Betteln, Vandalismus sowie öffentlicher
Konsum von Alkohol und Drogen) ist entschieden, insbesondere im
Interesse des Einzelhandels und der Tourismusbranche, zu begegnen.
Hier
gilt es, die Polizeikräfte zu stärken, insbesondere die
polizeiliche Präsenz (Fußstreifen, Verdeckte Ermittler, usw.) zu
verbessern und moderne Ermittlungsmethoden einzusetzen.
Entsprechend müssen die übrigen Strafverfolgungsorgane (StA und
Gerichte) sachlich und personell gut ausgestattet sein, um
Fahndungserfolge der Polizei nicht zu konterkarieren.
Auch
in Zeiten knapper finanzieller Ressourcen muß die FDP als
Rechtsstaatspartei darauf dringen, daß die innere Sicherheit
nicht vernachlässigt wird. Sicherheit ist ein nicht zu unterschätzender
Faktor für die Bereitschaft in- und ausländischer Investoren in
Deutschland tätig zu werden und bietet darüber hinaus die Gewähr
für jeden rechtschaffenen Bürger sein Leben in Freiheit zu
gestalten.
Die
FDP - Garant der deutschen Einheit
Der
FDP als Partei der deutschen Einheit ist es abgesehen von
kurzfristigen Anfangserfolgen, direkt nach der Wiedervereinigung,
nicht gelungen in den neuen Bundesländern parlamentarisch Fuß zu
fassen. Dabei hatte keine andere Partei dort ähnlich gute
Startchancen wie die FDP, denn führende Politiker der
damaligen Bundespartei stammten aus Mitteldeutschland. Der durch
die Verschmelzung mit der LDPD hervorgerufene Wahlbonus bei den
ersten freien und demokratischen Wahlen in Gesamtdeutschland wurde
durch unbedachte Äußerungen (Partei der Besserverdienenden;
Abwicklung) führender FDP-Politiker leichtfertig
verspielt. Man hätte als Partei der deutschen Einheit stärker
auf die Mentalität unserer Landsleute in den neuen Bundesländern
eingehen müssen und die liberalen Grundwerte von persönlicher
Freiheit, Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und
Chancengleichheit besser vermitteln müssen. Die FDP muß
basierend auf der immer noch guten Verankerung in den
Kommunalparlamenten von Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen
vermehrt profilierte Kommunalpolitiker für die Landespolitik
aufbauen, und sich als einzige gesellschaftliche Alternative zur
neokommunistischen PDS präsentieren. Als Rechtsstaatspartei muß
es auch nach zehn Jahren deutscher Einheit erklärtes Ziel einer
liberalen Partei sein, die Verbrechen und die totalitäre
Vergangenheit der SED-Diktatur konsequent aufzudecken und zu
verfolgen. Es muß den Bürgern klargemacht werden, daß die sich
demokratisch gerierende PDS lediglich die umbenannte SED
darstellt, da sich die SED niemals rechtsgültig aufgelöst hat,
und Funktionäre wie Bisky, Modrow und Gysi noch immer das Bild
des ehemaligen DDR-Systems konsequent verklären. In diesem
Zusammenhang gilt es ebenso die geplante Annäherung der CDU an
die PDS von führenden FDP-Politikern in den neuen Bundesländern
anzuprangern.
Neue
Technologien: Chance für Deutschland
Um
die Wettbewerbssituation im zusammenwachsenden Europa nachhaltig
zu Gunsten Deutschlands zu verbessern, muß unser Land den
Unternehmen im Bereich der Neuen Technologien die besten
Bedingungen aller Staaten bieten. Nicht alleine Risiken, sondern
auch und vor allem Chancen müssen vermehrt wahrgenommen werden:
Chancen für neue Arbeitsplätze, für eine Verbesserung der
Wirtschaftslage und für neue Wege und Methoden in der Bekämpfung
gefährlicher Krankheiten.
In
diesem Zuge sei auch auf die positiven Auswirkungen der Gentechnik
verwiesen, welche grundsätzlich zu befürworten ist. Ethische
Konflikte in speziellen Fällen, wie zum Beispiel das mögliche
Klonen von Menschen, sind jedoch zu berücksichtigen. Gerade in
diesem Bereich können wir dem Wähler liberale Politikansätze
vermitteln, den Ansatz zukunftsfähiger und
innovationsfreundlicher Politik.
Ein
ebenfalls zu nennender Bereich ist die momentan heftig diskutierte
Nutzung der Kernenergie, wobei diese allerdings die
umweltfreundlichste, momentan verfügbare Form der
Massenenergiegewinnung darstellt, aus unserer Sicht durch Solar-
und Windenergie mittelfristig nicht zu ersetzen. Um einen Ausstieg
aus der Kernenergie in Erwägung zu ziehen, müssen zunächst eine
gleichwertige Ersatzenergie verfügbar sein, welche durch eine
konsequente Entwicklung unserer bereits vorhandenen Gaskraftwerke
und den Ausbau unserer Kapazitäten in diesem Bereich erreicht werden
kann.
Mehr
Engagement für Europa
Mangelndes
Engagement der Bundesregierung in der Europapolitik läßt den
deutschen Einfluß schwinden. Hohe Schlüsselpositionen werden von
Briten, Franzosen, Spaniern und Italienern eingenommen. Die
deutschen Kommissare Verheugen und Schreyer besetzen mit
EU-Osterweiterung und Haushalt wichtige, jedoch keine
operativen Positionen in den Ressorts Außenhandel, Industrie oder
Wettbewerb.
Die
wichtigen Ämter des Außenhandelskommissars und Außenkommissars
wurden von französischen bzw. britischen Spitzendiplomaten (Lamy,
Patton) übernommen.
Die
Vernachlässigung der Europapolitik bei gleichzeitiger Delegierung
hoheitlicher Aufgaben auf die EU-Ebene ist aus deutscher Sicht
unvertretbar. Während das Ausland gut ausgebildete
Spitzendiplomaten in europäische Institutionen entsendet, räumt
Deutschland als größter Nettozahler der EU das Feld. Die FDP
als Europapartei muß darauf hinwirken, daß Deutschland durch
hochmotivierte, gut ausgebildete sowie intelligente Personen in
den EU-Institutionen vertreten wird. Es darf nicht weiter
widerspruchslos hingenommen werden, daß Posten innerhalb der
EU-Institutionen altgedienten oder mißliebigen Politikern als
gutdotierter Alterssitz angeboten werden.
Die
FDP-Bundespartei hat nur dann eine Chance, wenn sie die oben
genannten Themengebiete aufgreift und offensiv gegen linksliberale
Widerstände entschieden nach außen hin vertritt.
Worms,
im November 1999
Stephan
Czech, RA
-
Vorsitzender des FDP-KV Worms -